Zu den wenigen Geschützen, die aus jener Zeit erhalten geblieben sind, gehört die erst 1955 auf der Festung Königstein wiederentdeckte "Faule Magd", gebaut um das Jahr 1410. Dieser Koloss von 4,5 m Länge, 2710 kg schwer, der auf massiven Rädern aus Eichenholz in Feuerstellung geschleppt werden konnte, schleuderte Steinkugeln von etwa 45 kg Gewicht über 500 m weit.
Nur wenige Jahre jünger, aber fast fünfmal so schwer und von beträchtlich größerem Kaliber als die "Faule Magd" ist die "Tolle Grete" in Gent, ein Riesengeschütz, mit 325 kg schweren Kugeln geladen.
Die ersten so genannten Steinbüchsen waren Stab-Ring-Konstruktionen, deren Flüge (Rohre) aus einem Bündel schmiedeeiserner Stäbe bestanden, die über einem Holzkern aneinandergefügt und durch eiserne Ringe ähnlich den Dauben eines Fasses zusammengehalten wurden. Riesengeschütze wie die "Tolle Grete" ruhten in Feuerstellung auf einer Holzbettung mit Rückstoßlagern aus Pfosten und Balken. Ihr Stellungswechsel erforderte deshalb erheblichen Aufwand an Zeit und Kraft. Ebenso umständlich war das Laden und Schießen. Mit Schaufeln füllten die Stückknechte das Pulver in die Pulverkammer im hinteren Teil der Flüge und verschlossen sie mit einem Holzpflock. Auch die von vorn geladenen Steinkugeln wurden in den Flügen mit Holzkeilen festgeklemmt. Das Verkeilen erfolgte aus zweierlei Gründen, einmal, um die unterschiedliche Größe der Steinkugeln auszugleichen, vor allem aber, um dem sich langsam ausbreitenden Gasdruck Widerstand entgegenzusetzen und dadurch die Mündungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Gezündet wurde das Pulver anfänglich mit einem glühenden Eisenhaken, später mit der brennenden Lunte. Nach erfolgtem Abschuss musste das Rohr gründlich ausgewaschen werden, damit keine glimmenden Pulverreste das neu einzufüllende Pulver vorzeitig entzündeten. Bei großen Steinbüchsen betrug die Feuerpause zwischen zwei Abschüssen oft mehr als zwei Stunden.
Um ein schnelleres Laden und Schießen zu ermöglichen, führten sich Anfang des 15. Jahrhunderts neben den Vorderladern die Hinterlader, Kammerbüchsen genannt, ein, bei denen der Flug mit einem Kammergehäuse verschweißt war, in das die Pulverkammern, die geladen bereitlagen, nur eingesetzt zu werden brauchten. Heute würden wir diesen Ladevorgang als Kassettenprinzip bezeichnen.
Für den Transport kleinerer Steinbüchsen gab es fahrbare Bockgestelle, Stückwagen und, wie die "Faule Magd" auf der Festung Königstein zeigt, auch hölzerne, von Pferden gezogene Lafetten. Um ein solches Geschütz samt Kugel- und Pulverwagen in Stellung zu bringen, mussten oft mehr als vierzig Pferde vorgespannt werden. Eine andere Methode, den Transport schwerer Geschütze zu erleichtern, bestand in der Entwicklung zweiteiliger Flüge, die getrennt transportiert und erst in der Feuerstellung miteinander verschraubt wurden. Ein solches türkisches "Schraubstück" aus dem Jahre 1464 (5,30 m lang, Kaliber 60 cm) steht im Tower zu London. Das 18 t schwere Geschütz, dessen Verschraubung Präzisionsarbeit voraussetzte, ist aus Bronze gegossen.
Die so genannten Steinbüchsen der Antike sollen nun am Computer rekonstruiert werden. Hierfür wird für jede Kanonenart ein 3D Modell erstellt, damit später interaktiv und in Echtzeit am 3D Objekt die Funktionsweise gezeigt werden kann. Durch den Einsatz von interaktiven 3D Modellen im Internet (Web 3D interaktiv), ergeben sich völlig neue Möglichkeiten die damalige Technik dem Interessierten Leser näher zu bringen.
Welche Wirkung der Einsatz der Feuerwaffen auf die Menschen ausübte, hatte schon der große italienische Dichter Francesco Petrarca von den ersten Geschützsalven der Weltgeschichte aus seinen Träumen aufgeschreckt, in bewegten Klageworten ausgedrückt: "Es ist ein grausam rasend Ding zu großem Verderben der Land und Leute, Instrumente erfinden und aufrichten, damit man Feuer, Stein, bleierne und eiserne Kugeln in die Leute, Mauern, Stadt und Türme mit erschrecklichem Hall und Donner wirft, bis man sie fälle... Der Teufel hat solche Erfindung aufgebracht und ist deren Urheber wahrlich ein schädlicher Mensch gewesen, männiglich Schaden zuzufügen geneigt." In weniger gewählten Worten wetterte später Martin Luther in seinen Tischreden wider dieses "Werk des Teufels und der Hölle", während Leonardo da Vinci, der selbst Kriegsmaschinen konstruierte, die neue Waffentechnik nicht an sich verteufelte, sondern ihren rücksichtslosen Einsatz durch die Heerführer eine "bestialische Tobsucht" nannte.